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ID: 111 (Conflict of Interest: K)

Ösophagusperforation und Therapie der ösophageotrachealen Fisteln nach Ingestion von Fremdkörpern, zwei Fallberichte

P.Motedayen
Klinikum Dortmund, Dortmund

Einleitung

Die Ingestion von Batterien stellt eine große Gefahr insbesondere für Kleinkinder dar. Konkrete Inzidenzen sind in Deutschland bisher nicht bekannt. In den USA hat sich die Zahl der Vorstellungen in der Notaufnahme diesbezüglich von 1990 bis 2009 verdoppelt. Weiterhin sind die Rate der Komplikationen und auch tödliche Verläufe durch Batterieingestion 7-fach gestiegen. Der größere Durchmesser erhöht die Wahrscheinlichkeit der Impaktion im Ösophagus, die höhere Volt-Zahl bewirkt einen höheren Stromfluss. Die folgenden zwei Fallbeispiele zeigen das Ausmaß der möglichen Verletzungen und die Therapieoption.

 

Material und Methoden

Ergebnisse

Im ersten Fall verschluckte ein 17 Monate altes Mädchen eine Lithiumbatterie. Nach Entfernen des Fremdkörpers zeigte sich das typische Bild eines nekrotischen Ösophagus. Ein MRT zeigte einen Abszess, der bis in den Hypopharynx reichte. Endoskopisch wurde eine dorsale Perforation des Ösophagus mit frei liegenden Wirbelkörpern festgestellt. Über einen offenen collaren Zugang und gleichzeitiger Endoskopie wurde im Rendezvous-Verfahren eine Silikonsonde im Bereich des Perforationsgebietes zur Speicheldrainage platziert. Die Schleimhaut heilte ohne Striktur bzw. Fistelung folgenlos aus.

Im zweiten Fall erfolgte die Vorstellung eines 13 Monate altes Mädchens nach der Entfernung einer zwei Wochen lang impaktierten Lithiumbatterie. Die Endoskopie ergab zwei tracheoösophageale Fisteln. Bei zunächst konservativem Abwarten vergrößerten sich die Fisteln, sodass vier und sieben Wochen nach Extraktion der Batterie frustrane Versuche unternommen wurden, die Fisteln über einen offenen collaren Zugang zu verschließen. Bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes und erneutem Fistelrezidiv wurde ein großer Defekt im Bereich der Tracheahinterwand mittels gestieltem Haut-Muskellappen unter Verwendung des M. sternocleidomastoideus gedeckt, der obere Ösophagus collar ausgeleitet und der untere Ösophagus blind verschlossen. Sechs Monate später stellte sich die Trachealwand vollständig mit Schleimhaut überzogen dar. Der Ösophagus wurde reanastomosiert. Bei wiederholten endoskopischen Kontrollen musste eine Stenose des Ösophagus aufbougiert werden.

Schlussfolgerung

Impaktierte Fremdkörper müssen unverzüglich aus dem Verdauungstrakt entfernt werden; schwerwiegende Nekrosen, Ulzerationen bis hin zu Fistelungen in Nachbarorgane können wie in den Fallbeispielen beschrieben resultieren. Tödliche Verläufe sind aus der Literatur bekannt. Die Therapie hängt von der Art der Verletzung ab und muss individuell getroffen werden.