Zurück

ID: 123 (Conflict of Interest: K)

Einfluss der neoadjuvanten (Radio-)Chemotherapie auf den postoperativen Verlauf bei Ösophaguskarzinomen

C.Reincke, C.Wandhöfer, M.Niedergethmann
Alfried Krupp Krankenhaus, Essen

Einleitung

Mittels multimodaler Therapiekonzepte konnte eine Verbesserung der Prognose von Tumoren des gastroösophagealen Überganges (AEG), welche häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert werden und eine steigenden Inzidenz aufweisen, erreicht werden.

Besonders im Hinblick auf die aktuelle Leitlinie zu AEG mit der offenen Empfehlung zur neoadjuvanten Radiochemotherapie (nRCTx) bei T3 und T4 AEG als Alternative zur neoadjuvanten Chemotherapie (nCTx) ist es wichtig, die postoperativen Auswirkungen beider Regime zu untersuchen. Postoperative Komplikationen sind bekannterweise ein unabhängiger Risikofaktor für ein schlechteres Überleben nach kurativer Resektion.

Ziel war es, den Einfluss der nRCTx auf den postoperativen Verlauf von Karzinomen des Ösophagus bei AEG zu erfassen.

Material und Methoden

Von 2013 bis 2017 wurden in unserer Klinik 64 Ösophagusresektionen durchgeführt und in einer prospektiven Datenbank erfasst. In 56 Fällen handelte es sich um Patienten mit einer malignen Grunderkrankung. Eingeschlossen in die Auswertung wurden Plattenepithelkarzinome (PEC) sowie AEG-Tumoren.

In 35 von 56 Fällen erfolgte eine neoadjuvante Therapie.

Es wurden 27 Fälle einer nCTx mit 8 Fällen einer nRCTx verglichen.

 

Ergebnisse

Bei Patienten mit nCTx kam es in 37 % der Fälle (10 von 27 Patienten) zu einem komplikationslosen Verlauf (nach Clavien Dindo); bei Patienten mit nRCTx in 12,5 % (1 von 8 Patienten) der Fälle. Somit ist das Risiko einer Komplikation mit einer Odds Ratio (OR) von 1,38 in der Gruppe der nRCTx erhöht. Das Risiko nach nRCTx eine schwerwiegende Komplikation nach Clavien Dindo ≥ Klasse 3 zu entwickeln ist mit einer OR von 1,13 gegenüber einer nCTx ebenfalls erhöht.

Die nRCTx erhöht das Risiko für eine Anastomoseninsuffizienz (OR 9,8), einen Chylothorax (OR 8,25) und einen Pleuraerguss (OR 1,94).

Das Risiko einem Folgeeingriff inklusive Anlage einer Thoraxdrainage unterzogen zu werden, war bei Z.n. nRCTx erhöht (OR: 1,45)(50% vs 40,1%).

Die 90 Tage-Mortalität betrug in der Gruppe der nCTx 3,7 % (1 von 27 Fällen); in der Gruppe der nRCTx 0% (0 von 8 Fällen).

Die Krankenhausverweildauer(KHVD) zeigte sich bei Patienten mit nRCTx gegenüber Patienten mit nCTx erhöht (KVHD: nRCTx 31 d Median; nCTx 18,5 d Median); die Intensivpflichtigkeit (INT) hingegen nicht (beides 5,5 d Median).

Schlussfolgerung

Bei neoadjuvanter Radiochemotherapie des Ösophaguskarzinoms sind schwerwiegende Komplikationen nach Clavien Dindo >=3, eine längere KHVD sowie das Risiko für eine operative Revision deutlich häufiger, sodass diese auf dem Boden der vorliegenden Daten kritisch zu bewerten ist.