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ID: 166 (Conflict of Interest: K)

Die Mekoniumperiorchitis – ein kaum bekanntes kinderchirurgisches Krankheitsbild in der Differenzialdiagnose des akuten Skrotums und der unklaren infantilen skrotalen Raumforderung

H.Krause1, A.Biering2, L.von Rhoden1, S.Kroker1, P.Buhtz1, F.Meyer1, S.Turial3
1Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Magdeburg
2Klinikum Wolfsburg, Wolfsburg
3HELIOS Dr. Horst Schmidt Kliniken, Wiesbaden

Einleitung

Die Mekoniumperiorchitis ist ein seltenes Krankheitsbild, welches klinisch mit einer asymptomatischen skrotalen Raumforderung oder auch als akutes Skrotum  imponiert und pathogenetisch eine Mekonium-induzierte Peritonitis mit Eindringen des Mekoniums durch den offenen Processus vaginalis testis voraussetzt. Die intrauterine Darmperforation führt in den meisten Fällen zur Ausbildung der bekannten zystischen Mekoniumperitonitis. Da die Mekoniumperiorchits die gleiche Kausalität voraussetzt ist sie, bei unauffälligem Abdomen, als blande Verlaufsform anzusehen. Die Therapien variieren von klinischer Beobachtung bis im Nachhinein beurteilten, leider nicht unbedingt erforderlichen Orchidektomien. 

Ziel: Sensibilisierung der (kinder-)chirurgisch-klinischen Nachwuchses, um differenzialdiagnostisch die Mekoniumperiorchitis zu berücksichtigen und um damit nicht erforderliche Prozeduren, vor allem eine Orchidektomie, zu vermeiden. 

Material und Methoden

Kompakte klinische Kurzübersicht mit selektiver Literaturrecherche und Einarbeitung eigener klinischer Erfahrungen inclusive eines repräsentativen klinischen Falles.

Ergebnisse

(Eckpunkte):

- Den Erstbeschreibern Olnick und Hatcher (1953) folgten in der Literatur bis 2009 61 Fälle von Mekoniumperiorchitis nach Jeanty et al., 62 Fälle den eigenen mitbetrachtet.

- Eine genaue Inzidenz ist nicht bekannt, die der Mekoniumperitonitis liegt bei 1:35.000 Lebendgeburten, Alter bei Erstdiagnose durchschnittlich vier Lebenswochen.

- Zur Diagnostik wurden neben der Klinik sonographische Methoden prä- wie postpartal herangezogen, ebenso radiologische Bildgebung mittels Abdomen-Übersicht, CT, MRT.

- Die Therapie reichte von „wait and see“ bis hin zur Orchidektomie, wobei Einigkeit herrschte, dass letztere bei hinreichender Kenntnis des Krankheitsbildes nicht erforderlich sein dürfte. Aufgrund der Assoziation einer Mekoniumperitonitis mit einer zystischen Fibrose wird das Screening darauf empfohlen.

- (exemplarischer Fall): Frühgeborenes der 36. Schwangerschaftswoche mit ausgeprägter Nahrungstransportstörung und auffallend geblähtem Abdomen, welches aufgrund der im Verlauf aufgetretenen bilateralen Hydrocelen atypischen Aussehens einer operativen Exploration unterzogen wurde, in der sich die Verdachtsdiagnose einer Mekoniumperiorchitis bestätigte. Unter Protektion der Hoden wurde das Mekonium entfernt, im Folgenden keine weiteren Komplikationen im postoperativen Verlauf.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend ist bei korrekter Diagnose unter Hinzuziehung eines interdisziplinären Teams aus Gynäkologen, Neonatologen und Kinderchirurgen ein „wait-and-see“-Verfahren angemessen. Im Zweifel, z.B. bei Verdacht auf Torsion, Inkarzeration oder Tumorgeschehen, ist eine Exploration empfohlen.

Radiologische Bildgebung ist aufgrund heutiger „high-end“-Sonographie auf ein Minimum zu beschränken.