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ID: 288 (Conflict of Interest: K)

Simulation mit Standardisierten Patienten für digital-rektale Untersuchung in der medizinischen Aus- und Weiterbildung

M. Siebeck, A. Tautschnig, S. Groß, B. Schwald
Universitätsklinikum der LMU München, München

Einleitung

An deutschen Fakultäten wurde die digital-rektale Untersuchung (DRU) bislang kaum systematisch unterrichtet.  Deswegen vermuteten wir, dass auch bei Weiterbildungsärzten im common trunk noch Bedarf an Training besteht. Wir haben eine Simulation mit Standardisierten Patienten verwendet, um die praktischen und sozialen Fertigkeiten zu trainieren, die für die DRU notwendig sind.  Wir untersuchten in 2 Studien unterschiedliche Gruppen von Teilnehmern (Medizinstudenten im 6. oder 7. Semester und Ärzte im 1. oder 2. Jahr der Weiterbildung, dem common trunk). Die Wirkung der Simulationseinheit auf das Wissen der Teilnehmer über die rektale Untersuchung und ihre Hemmung vor der Untersuchung wurde mit zuvor etablierten Instrumenten gemessen.

Material und Methoden

Standardisierte Patienten wurden geschult um Feedback, insbesondere zur rektalen Untersuchung, zu geben. Nach einer Einführungsphase übernahmen die Teilnehmer die Rolle eines Arztes und erhoben die Anamnese, nahmen eine digital-rektale Untersuchung vor und besprachen das Ergebnis mit dem Patienten. Danach erhielten die Teilnehmer Feedback vom Patienten. Jeweils vor und nach dieser Simulationseinheit beantworteten die Teilnehmer Fragebögen zu soziokognitivem Wissen (3 offene Fragen) und Hemmung vor der DRU (4 Likert-skalierte Items). Medizinstudenten führten die Simulation alleine durch, Ärzte in Dreiergruppen. In jedem Fall war eine Assistenzperson anwesend. Die Teilnahme war freiwillig und anonym, ein Ethikvotum lag vor. Kovariaten waren die Simulation (vorher / nachher), der Ausbildungsstand und das Geschlecht der Teilnehmer. Gemischte lineare Modelle für die abhängigen Variablen Wissen und Hemmung wurden angepasst, ausgehend von einem maximalen Modell (mit Random intercept) wurden schrittweise Terme eliminiert bis hin zu einem einfacheren Modell, das nur noch signifikante Haupteffekte und Interaktionen enthielt.

Ergebnisse

161 Studenten und 64 Ärzte in Weiterbildung beantworteten alle Hemmungs- und Wissensfragen des Fragebogens. Die Kovariaten Simulation und Geschlecht und Ausbildungsstand waren signifikant für Hemmung und Wissen.  Weiterhin waren für die Hemmung die Interaktion Simulation x Geschlecht und für das Wissen die Interaktion Simulation x Ausbildung signifikant.  Die Effektstärken waren klein bis mittelgroß.

Schlussfolgerung

Die Simulation mit Standardisierten Patienten für DRU ergab sowohl bei Studierenden der Medizin als auch bei Ärzten im common trunk einen Lernerfolg (Zunahme von Wissen, Abnahme von Hemmung). Die Werte vor der Simulation zeigten einen Bedarf an Training an.  Der Vergleich zwischen Studenten und Ärzten war aufgrund der unterschiedlichen Versuchsbedingungen nur beschränkt interpretierbar.