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ID: 330 (Conflict of Interest: K)

Maßgeschneiderte Fortbildungen zur infektionspräventiven Compliance bei chirurgischen Visiten: Wie infektionspräventiv sind Chirurgen im Umgang mit postoperativen Maßnahmen?

B.Lutze, U.Gärtner, I.Gockel, I. F.Chaberny
Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig

Einleitung

Prävention nosokomialer Infektionen – besonders der postoperativen Wundinfektionen spielt im gesamten operativen Prozess zunehmend eine übergeordnete Rolle. Durch die Implementierung verschiedener Präventionsstrategien gemäß der AWMF-Leitlinie [1], die prä-, peri- und postoperativ umgesetzt werden sollen, wird die Problematik der steigenden Infektionsraten [2] mithilfe unterschiedlicher Maßnahmen angegangen. In diesem Kontext sind Compliance-Überprüfungen im Sinne eines Qualitätsmanagements sinnvoll, damit kritische Punkte bei der Umsetzung der Infektionsprävention angepasst werden können. Während chirurgischer Visiten ergeben sich viele Gelegenheiten, die aus infektionspräventiver Sicht bzgl. der Erregertransmission als relevant einzustufen sind. 

Material und Methoden

Daher steht die Compliance-Überprüfung während der Visite viszeralchirurgischer Stationen im Fokus dieser Untersuchung. Der Schwerpunkt liegt vorrangig auf der Händehygiene-Compliance (HC), der Evaluation verwendeter Devices und dem Verbandwechsel. Die Datenerfassung erfolgte während der Visiten mittels eines standardisierten Erfassungsbogens. Im Anschluss an die Beobachtungsphase der chirurgischen Compliance führte ein interdisziplinärer Austausch zu den infektionspräventiven Kernpunkten zur Entwicklung maßgeschneiderter Fortbildung.

Ergebnisse

Im Rahmen einer vier-wöchigen Beobachtungsphase von zwei Stationen der Klinik für Viszeral-, Gefäß-, und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikum Leipzig wurden insgesamt 357 Visitenereignisse dokumentiert: 129 Visiten bei isolierten Patienten (VIP) und 228 Visiten bei nicht isolierten Patienten (VNIP). Das beobachtete Ärzteteam bestand durchschnittlich aus drei bis vier Ärzten und visitierte den Patient im Mittel 3,3 min. Die HC der Ärzte ergab sich in 715 Händedesinfektionsgelegenheiten und lag insgesamt bei 59%. Zudem zeigten sich deutliche Unterschiede bei isolierten Patienten und nicht isolierten Patienten (HC VIP=42% vs. HC VNIP: 69%; p<.001). In 8% der Fälle wurde der vorhandene intravenöse Gefäßkatheter beim Patienten überprüft (keine Unterschiede zw. VIP=8% vs. VNIP=9%; p=.438). Die Überprüfung der Wunddrainage fand signifikant häufiger bei VNIP statt (VIP=52% vs. HC VNIP: 70%; p=.031). In der Hälfte der Fälle fand eine Überprüfung des Verbandwechsels statt (53%; keine Unterschiede zw. VIP=51% vs. VNIP=54%; p=.326).

Schlussfolgerung

Durch die erhöhte potenzielle Erregerübertragung von Patient zu Patient während der Visite ist besonders die Händehygiene-Compliance des ärztlichen Personals durch Feedback und Fortbildungen fokussierend auf den Visitenereignissen zu optimieren. Innerhalb der Fortbildung sollte ebenso die Relevanz des infektionspräventiven Handels in Bezug auf die Überprüfung der invasiven Devices sowie der aseptischen Tätigkeiten liegen. 

Literatur: [1] S1-Leitlinie „Strategien zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen“ , AWMF-Registernummer 029/031.http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/029031l_S1_Postoperative_Wundinfektionen_Praevention_2014-01.pdf. [2] Behnke M, Hansen S, Leistner R et al (2013) Nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Anwendung: Zweite nationale Prävalenzstudie in Deutschland. DtschArztebl 110:627–633.