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ID: 42 (Conflict of Interest: K)

Der Quotient aus distaler Fragmentlänge (DFL) zu totaler Radiuslänge (TRL) als prädiktiver Parameter für die präoperative Auswahl des geeigneten Osteosyntheseverfahrens bei Frakturen des dia-/metaphysären Übergangs am distalen Radius im Kindes- und Jugendalter

D.Sommerfeldt
Asklepios Klinik Altona, Hamburg

Einleitung

Seit seiner Einführung im Jahr 1982 durch METAIZEAU ist die elastisch-stabile Markraumnagelung (ESIN) das Osteosyntheseverfahren der Wahl zur operativen Behandlung von instabilen Unterarmschaftfrakturen im Kindesalter. Bezüglich des Radius können hier jedoch Probleme bezüglich der Reposition und Stabilität bei distal gelegenen Frakturen auftreten. Ziel der vorgelegten Studien war es, eine "sichere Zone" am distalen Radius zu etablieren, innerhalb der das ESIN-Verfahren bei Frakturen erfolgreich angewendet werden kann und diese Situationen von denen abzugrenzen, bei denen aufgrund eines Frakturverlaufs innerhalb des dia-/metaphysären Übergangs das Verfahren zu höheren Versagerquoten im kurz- und langfristigen Verlauf führt.

In einer zweiten Studienphase wurde die im ersten Studienabschnitt entwickelte prädiktive Bestimmung des Quotienten aus distaler Fragmentlänge (DFL) zu totaler Radiuslänge (TRL) auf ihre Eignung überprüft, die Komplikationsrate bei distal gelegenen Frakturen zu reduzieren.

Material und Methoden

In einem retrospektiv angelegten ersten Studienabschnitt wurden alle Unterarmfrakturen, die an unserem Haus in den Jahren 1998-2002 mittels ESIN versorgt wurden (n=67) bezüglich eines intra- oder postoperativen Verfahrenswechsels in Relation zur Frakturhöhe am Radius in Beziehung gesetzt. Als eine Konsequenz dieser Komplikationsanalyse konnte eine "sichere Zone" durch Einsatz des Quotienten DFL/TRL definiert werden, innerhalb derer der Einsatz von ESIN nicht zu implantatassoziierten Komplikationen bezüglich Retention und/oder Stabilität führte.

In einer zweiten, prospektiv durchgeführten Studienphase wurden wiederum alle mit ESIN versorgten Unterarmfrakturen aus den Jahren 2003-2007 (n=122) analysiert und die Quote an intra- oder postoperativen Verfahrenswechseln nach Einführung des Quotienten DFL/TRL zur präoperativen Indikationsstellung für eine ESIN-Versorgung des Radius mit der Rate an Verfahrenswechseln des ersten Studienabschnitts verglichen.

Ergebnisse

Im ersten Studienabschnitt wurde bei 7 Patienten (10.5%) intra- oder postoperativ ein Verfahrenswechsel auf Platte oder K-Draht indiziert. Der Quotient DFL/TRL betrug für alle Frakturen im Mittel 0.54, für die Gruppe der Patienten ohne Komplikationen 0.55 und für die Gruppe der Patienten mit Verfahrenswechsel 0.25 (p<0.05, One-way ANOVA).

In der zweiten Studienphase nach Einführung des Quotienten zur präoeprativen Frakturanalyse betrug der Quotient für alle Frakturen (n=122) 0.57. Nur bei 3 Patienten musste die präoperative Indikation zur ESIN intraoperativ revidiert werden. In dieser Gruppe betrug der Quotient DFl/TRL 0.29 (p<0.05, One-way ANOVA).

Schlussfolgerung

Die präoperative Bestimmung des Quotienten aus distaler Fragmentlänge des Radius (DFL) zur Gesamtlänge des Radius (TRL) ist ein wertvoller Parameter, um dem Operateur insbesondere die Indikationsstellung für oder gegen eine intramedulläre Schienung bei distal gelegenen Radiusfrakturen zu erleichtern.

Die Einführung dieses Parameters in unseren Behandlungsalgorithmus hat die Quote an intra- oder postoperativen Verfahrenswechseln signifikant reduziert und somit die korrekte Verfahrenswahl für diesen schwierig zu behandelnden Subtyp von Unterarmfrakturen vereinfacht.

Zeitraum

Fälle gesamt

DFL/TRL

komplikationslos

Verfahrenswechsel

One-way ANOVA

1998-2001

n = 67

q = 0.54

n = 60 

 (q = 0.55)

n = 7 (10.5%)

(q = 0.25)

 

2002-2005

n = 122

q = 0.57

n = 119

(q = 0.58)

n = 3 (2.4%)

 (q = 0.29)

**

*

Tab. 1: Quotient (q) aus distaler Fragmentlänge (DFL) und Radiusgesamtlänge(TRL) in zwei aufeinanderfolgenden Patientenkohorten. Der Einsatz des Quotienten bei der präoperativen Wahl des Osteosyntheseverfahrens reduziert die Anzahl an Verfahrenswechseln in der zweiten Kohorte (2002-2005) signifikant (* = p < 0.05, ** = p < 0.01, one-way ANOVA für unverbundene Stichproben).