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ID: 457 (Conflict of Interest: K)

Das CT in der Initialdiagnostik der Sigmadivertikulitis ist bei der Hälfte der Patienten verzichtbar

R. P.Dahmen, M.Weinrich, C.Taraschewski, P.Sieben, K.Kloker, E.Klar
Universitätsmedizin Rostock, Rostock

Einleitung

Zur stadiengerechten Therapie der Sigmadivertikulitis (SD) wird in der Leitlinie die Durchführung einer Schnittbildgebung mittels CT empfohlen. Demgegenüber basiert der diagnostische Algorithmus an unserer Klinik auf klinischer Einschätzung, Labor und Sonographie. Ein CT wird nur bei unklarer Diagnose oder bei fehlender klinischer Besserung unter Antibiotikatherapie durchgeführt. Eine retrospektive Untersuchung von Januar 2016 bis Dezember 2010 ergab, dass 127 von 253 (50%) unserer Patienten mit SD ganz ohne CT auch im Langzeitverlauf erfolgreich behandelt wurden. Ziel der aktuellen prospektiven Beobachtungsstudie war es zu klären, wie oft das aufgrund von Klinik, Labor und Sonographie initial festgelegte Therapiekonzept durch ein bei allen durchgeführtes Studien-CT geändert werden musste. Dabei wurden sowohl das Staging der Divertikulitis wie auch die Erfassung unabhängiger Begleiterkrankungen analysiert.

Material und Methoden

Von 06/2012 bis 08/2017 wurden 71 Patienten (35 Männer/36 Frauen), die sich in unserer chirurgischen Notaufnahme mit V. a. akute SD vorstellten, prospektiv in die Studie eingeschlossen. Es folgte zunächst die klinische Untersuchung, Blutabnahme und Sonographie. Anschließend wurde anhand der Befunde entschieden und dokumentiert, ob ein komplettierendes CT zur endgültigen Diagnosestellung notwendig war oder ob auf ein CT verzichtet werden konnte. Unabhängig von dieser Einschätzung wurde bei allen Patienten ein Studien-CT durchgeführt und analysiert, inwieweit das intitial festgelegte Therapiekonzept durch das additive Studien-CT geändert werden musste. Zusätzlich wurden aussschließlich im CT dargestellte Nebenbefunde dokumentiert und bewertet, inwieweit diese die aktuelle Therapiestrategie beeinflusst haben.

Ergebnisse

Entsprechend der Einschätzung aufgrund Klinik, Labor und Sonographie wäre bei 49% der Patienten (35/71) mit SD kein CT durchgeführt worden. Das additiv im Rahmen der Studie durchgeführte CT hatte lediglich in einem Fall (3%) die Konsequenz, dass ein Abszess (>4cm) CT-gesteuert drainiert wurde. Bei keinem dieser 35 Patienten musste eine Operation durchgeführt werden. Eine weitere therapeutische Konsequenz ergab sich durch das Studien-CT nicht. Die Sensitivität der Diagnosestellung „SD“ durch Klinik, Labor und Sonographie lag bei 91% (32/35). In 3 Fällen handelte es sich nicht um eine SD sondern um eine Ureterolithiasis bei zwei Patienten und um einen entzündlichen Fokus ohne Divertikulitis bei einem Patienten. Die Sensitivität der Sonographie von 85% entsprach der Literatur. Kontrollbedürftige Begleiterkrankungen wären ohne CT in 5/35 Fällen übersehen worden (1 Leberherd, 3 Myome, 1 Inzidentalom der Nebenniere), die jedoch keiner unmittelbaren Therapie bedurften.

Schlussfolgerung

Unsere prospektiven Daten bestätigen die vorausgegangene retrospektive Studie und zeigen, dass bei etwa der Hälfte der Patienten mit SD auf die Durchführung eines CTs unter Vermeidung der Kontrastmittel- und Strahlenbelastung verzichtet werden kann. Lediglich in einem Fall musste das konservative Therapiekonzept aufgrund eines CTs geändert werden. Dieser Patient wäre jedoch unter fehlender klinischer Besserung unter Antibiose auffällig geworden und damit weiterer Diagnostik und Therapie zugeführt worden. Die ausschließlich im CT erkannten Nebendiagnosen bedurften keiner zusätzlichen Therapie.