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ID: 531 (Conflict of Interest: K)

Pathogenese des Hämorrhoidalleidens: Verschiebungen in der Kollagenzusammensetzung als mögliche Ursache – morphometrische Analysen

M. R.Langenbach, R.Lisovets
HELIOS St. Elisabeth Klinik, Oberhausen

Einleitung

Ist das Hämorrhoidalleiden hereditär oder erworben? Die Erkrankung ist seit Jahrhunderten beschrieben. Es wird eine Prävalenz von bis zu 86% in der Bevölkerung dokumentiert. Risikofaktoren wurden ausgemacht und untersucht. Letztendlich bleibt die Pathophysiologie weiter im Dunkeln. Einige Studien weisen darauf hin, dass die Qualität der Kollagenzusammensetzung des Hämorrhoidalgewebes eine Rolle bei der Entstehung des Hämorrhoidalleidens spielen könnte. 80-90% des menschlichen Körpers bestehen aus den Kollagenen I-III. Kollagen-I-Fasern sind für die Gewebsstabilität verantwortlich. Kollagen-III-Fasern sind dünner und weniger ausgereift. Die Stärke und Qualität des Gewebszusammenhaltes wird bestimmt durch die Menge und dem Verhältnis von Kollagen I zu Kollagen III. Ein erniedrigter Quotient von Kollagen I zu III führt zu einer Reduktion der Vernetzungsstellen des Gewebes und somit zu einer Reduktion der mechanischen Stabilität des kollagenen Bindegewebes.Zur Betrachtung dieses Phänomens führten wir Untersuchungen an Hämorrhoidalgewebe von Patienten mit und ohne ein Hämorrhoidalleiden durch.

 

Material und Methoden

Die Gewebsproben von 71 Patienten mit einem dritt- bis viertgradigen Hämorrhoidalleiden, die sich zwischen Januar 2016 und März 2017 einer Hämorrhoidektomie unterzogen, wurden untersucht. 21 weitere Gewebsproben von Patienten ohne Hämorrhoidalleiden wurden als Kontrollgruppe verwendet. Die Proben stammten von Patienten, bei denen auf Grund eines fortgeschrittenen Rektumkarzinoms eine Rektumextirpation durchgeführt wurde. Die Proben wurden speziell angefärbt, fotografiert und die Qualität des Kollagens mittels eines Computerprogramms analysiert, indem das Verhältnis von Kollagen I zu Kollagen III bestimmt wurde. Es erfolgte auch eine Analyse in Untergruppen nach Geschlecht, Alter und BMI.

Ergebnisse

Die Gewebsproben der Patienten mit Hämorrhoidalleiden zeigten ein signifikant niedrigeres Verhältnis von Kollagen I zu III (siehe Tabelle). Es gab keine signifikanten Unterschiede im Verhältnis von Kollagen I zu III in den Subgruppenanalysen nach Alter und Geschlecht. Der BMI war jedoch signifikant (p<0,03) mit einem erniedrigten Verhältnis von Kollagen I zu III vergesellschaftet.

Schlussfolgerung

Bei der Pathophysiologie des Hämorrhoidalleidens scheinen hereditäre Gewebseigenschaften eine zentrale Rolle zu spielen. Alter oder Geschlecht alleine sind keine unabhängigen Risikofaktoren für die Entwicklung eines Hämorrhoidalleidens. Das Körpergewicht scheint jedoch eine signifikante Einflussgröße darzustellen.

 

 

 

Fälle (n = 71)

Kontrollen (n = 21)

P-Wert (t-Test)

LOG Kollagen 1

5,98 ±0,10

6,31 ±0,14

< 0,001

LOG Kollagen 3

4,68 ±0,41

3,99 ±1,01

0,006

LOG Kollagen 1 zu 3-Ratio

1,31 ±0,43

2,32 ±1,05

< 0,001

 

Verhältnis von Kollagen I zu III in Studien- und Kontrollgruppe