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ID: 608 (Conflict of Interest: K)

Krieg und Terror: Neue Herausforderungen für die Rekonstruktive Chirurgie

R.Ipaktchi, A.Limbourg, P. M.Vogt
Medizinische Hochschule Hannover, Hannover

Einleitung

Durch Terror und Krieg versehrte Patienten finden in zunehmendem Maße im Rahmen der Aufnahme von Flüchtlingen und durch staatlich organisierten Transfer Zugang zu medizinischer Versorgung in europäischen Krankenhäusern. Damit eröffnet sich insbesondere im chirurgischen Bereich ein neues Behandlungsspektrum. Dazu zählen nicht nur in unseren Breiten seltene infektiologische Erkrankungen wie z.B. die Tuberkulose sondern auch chirurgische Wunden mit verändertem Keimspektrum wie z.B. die Akinetobacter-baumanii Infektion und die Wundinfektion mit multiresitenten Erregern. Daneben zeigen sich neue Herausforderungen durch verblieben Schrapnell-Fragmente, die zu chronischen Schmerzen im Weichteilgewebe und insbesondere im Bereich von Nerven zu schweren Schmerzzuständen und funktionellen Ausfällen führen. An einer Fallserie demonstrieren wir Diagnostik, primäre sowie sekundäre chirurgische Therapiestrategien von Patienten aus Kriegs- und Krisengebieten.

Material und Methoden

Anhand einer Fallserie stellen wir Patienten vor, die in den letzten 2 Jahren aus Krisen- und Kiegsregionen aus dem Nahen Osten und nordafrikanischen Raum in unsere Klinik vermittelt wurden.

Ergebnisse

In den letzten 2 Jahren stellten sich in unserer Klinik überwiegend junge männliche Patienten vor, die teilweise erheblich Verletzungen der Arme, Beine und des Stamms durch Schrapnell-Verletzungen erlitten hatten. Bei den Patienten bestanden zum einen großflächige superinfizierte und vernarbte Defekte des Hautweichteilmantels, für die ein komplexer rekonstruktiver Plan mit oft mehreren Eingriffen entwickelt werden musste. Zum anderen stellten sich Patienten mit verbliebenen Fremdkörpern im Bereich der, die Extremitäten versorgenden Nerven vor, für die einen Funktions-erhaltende Exzision in Kombination mit einer intensivierten schmerztherapeutischen Begleitung erfolgte. Hier waren auch häufig Ersatzplastiken Teil der plastisch-chirurgischen Wiederherstellung. Zum Teil konnte aufgrund des Ausmaßes und der Mehretagen-Verletzung von Nerven keine sinnvolle rekonstruktive Therapie angeboten werden. Bei einem Patienten zeigte sich einen unklare Raumforderung der Hand mit Destruktion von Mittelhandknochen als verkäsende Nekrose einer Tuberkuloseinfektion. Besondere Maßnahmen bezüglich Erregerscreening und Isolierung wurden durch die Krankenhaushygiene in unserer Klinik vorgegeben und etabliert.

 

 

Schlussfolgerung

Die Behandlung von Terror- und Kriegsversehrten in unserer Klinik nimmt zu. Insbesondere im Bereich der plastischen Chirurgie stellen Defektsituationen mit weitreichender Destruktion, verbliebenen Fremdkörpern und Nervenläsionen ein neues Krankheitsprofil mit speziellen insbesondere chirurgischen Anforderungen dar. Seltene infektiologische Erkrankungen und Wundkontaminationen mit atypischen Erregern sind Teil des besonderen Krankheitspektrums.