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ID: 695 (Conflict of Interest: K)

Distale Unterarmfrakturen im Kindesalter – Häufig unkompliziert und doch mit Tücken. Wie bewährt ist unser Behandlungsalgorithmus?

I.Ridderbusch, D.Sommerfeldt
Asklepios Klinik Altona, Hamburg

Einleitung

Die distalen Unterarmfrakturen gehören zu den häufigsten Frakturen in allen Altersgruppen im Kindesalter. Es treten isolierte Verletzungen des distalen Radius und Ulna, so wie kombinierte Frakturen auf. In unserer Klinik gibt es seit Jahren ein Behandlungskonzept für die verschiedenen Altersklassen und Frakturtypen. Ziel der vorgelegten Studie ist es, dieses Konzept auf Reliabilität zu prüfen und Gründe für notwendige Therapiewechsel oder Konzeptversager zu eruieren.

Material und Methoden

In einer retrospektiven Studie werden alle Patienten mit der Diagnose einer distalen Unterarmfraktur, distalen Radiusfraktur und distalen Ulnafraktur der Jahre 2014-16 erfasst. Die Therapieplanung erfolgte nach eigenem Behandlungsalgorithmus für die konservative und operative Versorgung unter Einbeziehung von Frakturtyp, Dislokationsgrad, Lokalisation, Alter und Zusatzverletzungen. Ausgewertet werden in der vorliegenden Studie die nach Festlegung des Therapiekonzeptes aufgetreten Komplikationen. Bei den Patienten mit Retention im Gips (konservative Therapie) werden die sekundären Dislokationen, die zu einem Therapiewechsel zur operativen Versorgung geführt haben, analysiert.

Ergebnisse

Im Untersuchungszeitraum wurden im Altonaer Kinderkrankenhaus 2005 Patienten mit der Diagnose distale Unterarmfraktur, distale Radiusfraktur und distale Ulnafraktur behandelt. Im Durchschnitt wurden 356 Kinder ambulant und 312 Kinder stationär pro Jahr mit diesen Diagnosen betreut. Die ambulanten Patienten waren im Durchschnitt 8,7 (0-18 Jahre) Jahre alt, die stationären Patienten 9,8 (1-17) Jahre alt. In der vorläufigen Auswertung zeigt sich, dass bei 10,15 der ambulanten Patienten pro Jahr (2,85%) eine sekundäre Dislokation auftrat, die einen Therapiewechsel mit operativer Versorgung notwendig machte. Alle anderen Patienten konnten suffizient durch Retention behandelt werden, 15 Patienten dieser Gruppe (4,2%) wurden zusätzlich zur Retention im Gips durch Gipskeilung pro Jahr behandelt.

Schlussfolgerung

Der Behandlungsalgorithmus für die distalen Unterarmfrakturen unserer Klinik hat sich bewährt und ist praktikabel. Es ergibt sich jedoch bei den instabilen un- oder gering dislozierten Frakturen mit primär konservativem Behandlungskonzept eine Patientengruppe mit erhöhtem Risiko zum Behandlungswechsel.

Eine engmaschige Kontrolle dieser Patienten in der eigenen Klinik, Ausschöpfung aller konservativer Retentionsmaßnahmen, Abstimmung des Konzeptes mit Patient und Eltern und ggf. frühzeitiger Therapiewechsel müssen sicher stellen, dass es zu keiner Ausheilung in Fehlstellung kommt. Die Versorgung von Patienten in Narkose mit alleiniger Reposition ohne osteosynthetische Retention sollte stets kritisch auf Stabilität geprüft werden, um dem Patienten Komplikationen einer sekundären Dislokation zu ersparen. Für die osteosynthetische Versorgung gilt es, die adäquate Technik und Aufwand zur suffizienten Stabilisierung anzuwenden, um postoperative Komplikationen zu vermeiden.