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ID: 716 (Conflict of Interest: K)

Mehr Medizin oder mehr Management? – Was will der Oberarzt in seiner Zukunft – eine empirische Untersuchung zum Rollenbild und den Erwartungen an attraktive Stellenprofile unter Oberärzten in deutschen Universitätskliniken

K.Homayounfar1, J.Schätzle2, E.Wilk3, H.Räwer3, M.Ghadimi1, F.Liberatore2
1Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen
2Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Freiburg im Breisgau
3Rochus Mummert, Hannover

Einleitung

Krankenhäuser stehen vor der Herausforderung, geeignete Kandidaten für Chefarztpositionen zu akquirieren. Gleichzeitig müssen Universitätsklinika aufgrund ihrer speziellen Rolle in Forschung, Lehre und Krankenversorgung interessante Karriereoptionen für die langfristige Bindung hochqualifizierter Mitarbeiter schaffen.

Ziel der Studie ist, die Präferenzen von Oberärzten an deutschen Universitätskliniken hinsichtlich ihrer Karriereentwicklung zu untersuchen, um Krankenhäusern und Universitätsklinika fundierte Hinweise zur Ausgestaltung Ihrer Stellenprofile zu bieten. 

Material und Methoden

Das sozial-psychologische EPL-Career Aspiration Framework dient als theoretische Grundlage zur Erklärung der karrierespezifischen Motivations- und Kompetenzeinschätzungen und der verfolgten Karrierewege. Basierend auf bestehenden Messskalen wurde ein für die Fragestellung adaptierter Messinstrument entwickelt und im Rahmen einer Vorstudie (N=10) validiert.

Die Erhebung der Daten mittels eines Online-Surveys  fand im Sommer 2017 (05-08/2017)  statt. Dazu wurden Oberärzte an 12 deutschen Universitätsklinika zur Teilnahme per E-Mail eingeladen. Dabei konnten 2.476 gültige E-Mails an deutsche Oberärzte zugestellt werden. Die Befragung erfolgte in anonymisierter Form über das Survey-Tool Sosci-Survey. Um die Teilnahmequote zu erhöhen, wurden zwei Reminder versendet.

Ergebnisse

An der Studie nahmen 450 Oberärzte (68% Männer und 32% Frauen; Durchschnittsalter 44 Jahre) teil, was einer Rücklaufquote von 18% entspricht. 46% sind in operativen Fachgebieten tätig, 54% arbeiten im konservativen Fachbereich. Weniger als ein Viertel der Oberärzte hat keine Kinder (23%), 9% besitzen pflegebedürftige Angehörige.

Die detaillierten Ergebnisse zeigen, dass Chefarztpositionen, aber auch die Beibehaltung einer Oberarztposition immer noch als attraktivste Karriereoptionen wahrgenommen werden. Für die Übernahme einer Chefarztposition fühlen sich die Ärzte jedoch schlecht vom derzeitigen Arbeitgeber vorbereitet. Bei der Attraktivität folgen die universitären Karrierewege einer W2/W3-Professur. Als wenig attraktiv werden die Juniorprofessur sowie die Niederlassung als Arzt eingeschätzt. Die wahrgenommene Kompetenz und Präferenz für kurative Tätigkeiten ist unter Oberärzten höher als für Leitungsfunktionen mit Managementverantwortung. Im Durchschnitt sollten Managementaufgaben nicht mehr als 13% des Tätigkeitsspektrums ausmachen.

Signifikante Unterschiede in den Erwartungen an künftige Stellenprofile bestehen nach Geschlecht. Oberärztinnen können sich Managementaufgaben eher vorstellen, fühlen sich aber schlechter vorbereitet, haben geringere Erwartungen an das Gehalt, jedoch höhere Ansprüche an die Work-Life-Balance, Teilzeitmöglichkeiten sowie Wohnortnähe. 

Schlussfolgerung

Die Beibehaltung einer Oberarztposition stellt eine grundsätzlich attraktive Option dar, so dass für die Gewinnung von Ärzten für Chefarztpositionen entsprechend attraktivere Bedingungen geschaffen werden müssen. Die Studie bestätigt, dass mit der Feminisierung der Medizin die Erwartungen an flexible Beschäftigungsverhältnisse zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigen werden. Weiterhin sollten Universitätskliniken Programme zur Führungskräfteentwicklung für ihre Oberärzte auflegen, um sie auf Führungspositionen gut vorzubereiten.