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ID: 722 (Conflict of Interest: K)

Wichtung und Umfang der Kinderchirurgie im 2. Staatsexamen im Vergleich zum Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Chirurgie (NKLC)

M.-C.Stefanescu, J.Sterz, V.Britz, A.Schmedding, M.Rüsseler
Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Frankfurt am Main

Einleitung

Eine Basiskompetenz im Fach Kinderchirurgie ist für die Ärzte von morgen von großer  Bedeutung, da keine flächendeckende kinderchirurgische Versorgung besteht und ein nicht unerheblichen Teil der Kinder von Erwachsenenmedizinern behandelt wird, sich die Behandlung vermeintlich gleicher Krankheitsbilder z.T. aber stark unterscheidet.

Der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Chirurgie (NKLC) mit seinen insgesamt 230 Lernzielen, von denen 84 der Kinderchirurgie zugeordnet werden können, ist in drei Kompetenzebenen geordnet. Bei den Lernzielen der Kompetenzebene  1 wird reines Faktenwissen vorausgesetzt. Die Kompetenzebene 3 entspricht solchen Lernzielen, bei denen selbstständiges Handeln verlangt wird. Obgleich das Lernverhalten der Studierenden durch den Inhalt von summativen Prüfungen geprägt ist, basiert das 2. Staatsexamen nicht auf den durch die Fachgesellschaften konsentierten Lernzielkatalogen.

Die vorliegende Studie untersucht, ob die kinderchirurgischen Lernziele des NKLC im 2. Staatsexamen abgebildet und welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Material und Methoden

Es wurden die Fragen der 2. Staatsexamina von Herbst 2009 (H09) bis Herbst 2014 (H14) retrospektiv analysiert (n=11). Acht Fachärzte für Kinderchirurgie (KCH) (5 Chefärzte, 3 Oberärzte) mit durchschnittlich 15,38 Facharztjahren identifizierten die kinderchirurgischen Lernziele im NKLC. Hiernach wurden aus den elf untersuchten Staatsexamina die Fragen herausgefiltert, die die der KCH zugeordneten Lernziele abfragten. Zudem wurde analysiert, ob die behandelten Lernziele in der Fallbeschreibung einen kindlichen Patienten schilderten, oder ob zwar ein kinderchirurgisches Lernziel adressiert, aber im Fall ein erwachsener Patient beschrieben wurde. Analysiert wurde die Gesamtzahl der Fragen sowie die Anzahl der Fragen, die sich auf Kinder bezogen, die Anzahl der Fragen pro Examen sowie die Anzahl pro Lernziel und Kompetenzebene.

Ergebnisse

84 der 230 Lernziele des NKLC wurden von den Experten als kinderchirurgisch benannt (Kompetenzebene 1: n=18, Ebene 2: n=30, Ebene 3: n=26). Zehn Lernziele hiervon wurden als originär kinderchirurgisch definiert (entsprechend 4,35% aller Lernziele des NKLC).

Zwischen H09 und H14 wurden zu den Lernzielen der KCH insgesamt 289 Fragen gestellt (8,30% aller insgesamt gestellten Fragen). Nur 113 Fragen beschrieben einen kindlichen Fall (3,25% aller Fragen). Pro Examen fanden sich durchschnittlich 10,27 ± 5,8 Fragen zu kinderchirurgischen LZ (Min. 3, Max. 22). Zu den zehn originären KCH-Lernzielen wurden in 7 von 11 untersuchten Examina insgesamt 23 Fragen gestellt (Min. 1, Max. 10), davon 10 im F13 zur „Pylorushypertrophie“. Fünf originär kinderchirurgische LZ wurden im Untersuchungszeitraum gar nicht abgefragt, darunter anorektale Fehlbildungen und Malrotation/Volvulus.

Die meisten Fragen zu Lernzielen der KCH wurden zu „aseptischen Knochennekrosen“ und „Fehlbildungen und angeborenen Entwicklungsstörungen von Skelett und Bindegewebe gestellt“ (gesamt 33 Fragen).

Schlussfolgerung

Die vorliegende Arbeit konnte zeigen, dass die Kinderchirurgie gemessen an ihren Lernzielen des NKLC im 2. Staatsexamen unterrepräsentiert ist. Zudem besteheht eine Dysbalance in den abgefragten Lernziele: Die lebensbedrohlichen Erkrankungen von Kindern werden nur selten geprüft.