Zurück

ID: 782 (Conflict of Interest: K)

Gefäßchirurgische Expertise in der onkologischen Viszeralchirurgie – eine Expertenbefragung

H.Matthaei, V.Schmidt, V.Branchi, P.Lingohr, F.Verrel, J. C.Kalff, A.Koscielny
Universitätsklinikum Bonn, Bonn

Einleitung

Stetige Fortschritte in der viszeralchirurgischen onkologischen Chirurgie ermöglichen heutzutage immer komplexere Operationen mit z.T. vaskulärer Beteiligung. Zudem können unerwartete intraoperative Gefäßkomplikationen eine gefäßchirurgische Intervention erforderlich machen. Die gefäßchirurgische Weiterbildung ist für den Viszeralchirurgen jedoch weiterhin fakultativ und wird kontrovers diskutiert.

Material und Methoden

Es wurde ein standardisierter Fragebogen an die Leiter viszeralchirurgischer Abteilungen von 150 Krankenhäusern und 35 Universitätskliniken in Deutschland mit Fragen zur Weiterbildung und Personalsituation der Gefäßchirurgie in der Viszeralchirurgie sowie zur Einschätzungen der Zukunft dieses Themenkomplexes  gesendet.

Ergebnisse

Die Mehrheit der Experten (N=111; 81%) hat eine gefäßchirurgische Weiterbildung erfahren und 34% (N=46) sind selbst zusätzlich Facharzt für Gefäßchirurgie. Ein Großteil der Abteilungen (N=94; 68%) führt mehr als 10 gefäßchirurgische Eingriffe im Rahmen von viszeralchirurgischen Operationen jährlich durch. Dabei steht in 73% (N=98) eine gefäßchirurgische Unterstützung bei allen viszeralchirurgischen Operationen zur Verfügung und 32% (N= 41) der Befragten wünschen sich mehr gefäßchirurgische Expertise in der eigenen Klinik. Eine knappe Mehrheit (N=66; 52%) geht davon aus, dass die Gefäßchirurgie zukünftig eine größere Rolle für die Viszeralchirurgie spielen wird und mehrheitlich (N=73; 54%) würde eine durch die Landesärztekammern verpflichtende, gefäßchirurgische Rotation begrüßt werden. Dennoch gibt es in nur 32% (N=43) der befragten Kliniken eine verpflichtende, jedoch in 78% (N=104) eine optionale Rotation in die Gefäßchirurgie. Die Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass gewisse gefäßchirurgische Fertigkeiten von Viszeralchirurgen beherrscht werden sollten. Dazu zählt vor allem die Thrombektomie/Embolektomie (N=130; 96%), Gefäßnaht (N=135; 99%) und die Patchplastik (n=121; 89%).

Schlussfolgerung

Gemäß der Befragung kann von einer noch ausreichenden gefäßchirurgischen Expertise in den Kliniken ausgegangen werden. Es herrscht jedoch Uneinigkeit zum zukünftigen Stellenwert dieser Expertise in der Facharztweiterbildung für Viszeralchirurgie. Des Weiteren ist die Mehrheit der Befragten der Auffassung, dass die gefäßchirurgischen Grundfertigkeiten von jedem Viszeralchirurgen beherrscht werden sollten. Darüber, wie die Ausbildung der Facharztanwärter zu erfolgen hat und ob es eine verpflichtende Rotation in die Gefäßchirurgie geben soll, herrscht weiterer Diskussionsbedarf.