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ID: 845 (Conflict of Interest: K)

Diagnostik und Therapie bei 25 Kindern und Jugendlichen mit posttraumatischem chronischem Schmerzsyndrom

R.Böhm, U.Bühligen, J.Elger, M.Lacher, S.Mayer
Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig

Einleitung

Die Vorstellungen von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen in den Sprechstunden haben zugenommen (Meier P, Clin J Pain 2006). Wir haben daher in unserem Haus eine spezielle Schmerzsprechstunde eingerichtet und ein multimodales Therapiekonzept etabliert. Ziel dieser Arbeit war es, den Therapieerfolg unseres Konzeptes  hinsichtlich einer Beschwerdebesserung bzw. -freiheit zu prüfen.

Material und Methoden

Retrospektive Analyse aller im Zeitraum 12/2013 – 06/2017 in unserer Schmerzsprechstunde behandelten Patienten bezüglich demographischer Daten (Alter, Geschlecht), Traumaanamnese (Lokalisation, Verletzungsmuster), körperlicher und apparativer Untersuchung sowie der aktuellen Schmerzdokumentation (VAS 0-10), welche im Rahmen unseres multimodalen Therapiekonzeptes behandelt wurden. Dieses wurde individuell festgelegt; ständige Bestandteile waren eine konsequente medikamentöse Analgesie (Ibuprofen, PCM, Metamizol, Talvosilen), Entlastung sowie Physiotherapie (manuelle Therapie, Osteopathie, Ultraschall, Reizstrom) und bei Bedarf Psychotherapie.  Darstellung der Ergebnisse als Mittelwert ± Standardabweichung.

Ergebnisse

54 Patienten stellten sich im o.g. Zeitraum in der Sprechstunde aufgrund chronischer Schmerzen vor. 25 Patienten (Alter: 15,5±2,1 Jahre; m=3, w=22) hatten ein chronisches posttraumatisches Schmerzsyndrom und wurden in die Studie eingeschlossen. Das Follow-up betrug 5±4,3 Monate. In 13 Fällen lag ein Sportunfall vor. Hierbei waren die unteren Extremitäten (Becken, Hüfte, Knie, OSG, Fuß) bei 10 (40%), die oberen Extremitäten (Klavikula, Ellbogen, Unterarm, Handgelenk, Finger) bei 13 (52%) und Abdomen sowie Wirbelsäule bei 2 Patienten (8%) betroffen. 8 Patienten (32%) präsentierten sich mit einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) mit Lymphödem, veränderter Trophik und Hyperästhesie. Betroffen waren die Phalangen (n=1), Handgelenk (n=1), Knie (n= 1), OSG (n=2), Ferse (n=1) und Mittel- bzw. Vorfuß (n=2). Die Charakteristik der Schmerzen aller Patienten wurde in 86% der Fälle als „dumpf“, in 32% als „brennend/stechend“ beschrieben; die erhoben Schmerzstärke (VAS) betrug 8,2±1,2 und hatte in allen Fällen zu einer Funktionseinschränkung geführt. Die Beschwerdedauer bis zur Konsultation unserer Sprechstunde lag bei 5±7,5 Monaten (range: 1,5-36), das ursächliche Trauma lag 8±30,6 Monate (range: 3-108) zurück und war auf Bagatelltraumen (n=5; 20%), Distorsionen (n=12; 48%) und Frakturen (n=8; 32%) zurückzuführen. Das multimodale Therapiekonzept fand bei allen Patienten Anwendung, eine Psychotherapie wurde bei 4 (16%) Patienten initiiert. Eine komplette Beschwerdefreiheit trat bei 8 Patienten (32%) ein, eine deutliche subjektive Befundverbesserung mit berichteter Wiederaufnahme von körperlichen Aktivitäten (Laufen, Radfahren, Teilnahme am Sportunterricht) bei 13 (52%) nach einer mittleren Therapiedauer von 5±4,6 Monaten (range: 2-16 Monate). 

Schlussfolgerung

Chronische Schmerzen im Kindes- und Jugendalter waren häufig auf stattgehabte Traumata zurückzuführen. Ihre Therapie ist aufwändig und sollte multimodal und konsequent erfolgen. Sie nimmt in der Regel mehrere Monate in Anspruch. Dann kann nach durchschnittlich 5 Monaten eine Verbesserung der Beschwerdesymptomatik bei der Hälfte der Patienten beobachtet werden, lediglich ein Drittel erreicht eine komplette Beschwerdefreiheit.